5 Jahre - und mal wieder ein Jugendspiel im Bezirk

Von am 09.02.2012 in Allgemein, Archiv
Ganze fünf Jahre ist es her, als ich das letzte Jugendspiel auf Bezirksebene als Schiedsrichter geleitet habe. Am vergangenen Sonntag war es dann bei einer Partie der weiblichen Jugend im Münchner Süden soweit. Ich lieferte mich den Eltern dieser jungen Nachwuchshandballerinnen aus. Es war auch noch ein Derby zweier Münchner Vereine. Doppelte Belastung für die Eltern?

Vorweg geschickt - ich bin nun seit 1999 Schiedsrichter, die letzten Jahre in der Senioren Bayernliga und Regionalliga mit meinem Teampartner aktiv, Schiedsrichter Beobachter der Bayernliga und selbst engagiert in der Nachwuchsförderung von jungen Unparteiischen.

Doch was ich da an Kommentaren von Eltern, Vereinsfunktionären und Trainern der beiden Mannschaften während des Spiels hören musste, überraschte auch mich völlig. Ohne jeglichen Respekt, beleidigend, unverschämt und hochgradig regeltechnisch falsch, wurden im Sekundentakt Kommentare zum besten gegeben. Ab der ersten Sekunde versuchten die Eltern auf der Tribüne sofort Einfluss zu nehmen, sprachen Beleidigungen aus - in der ganze Halle zu hören - und schämten sich nicht mal, auch regeltechnisch grundlegende Dinge völlig falsch raus zu brüllen.

Als gestandener Schiedsrichter wie ich es bin, wurde ich neben der einfachen Spielleitung dadurch köstlich amüsiert. Schon ganz andere Zuschauermassen versuchten gegen mich und meinen Partner anzukommen, zB beim Regionalligaderby 2010 in Neuhausen/Erms gegen Neuhausen/Filder vor 1500 Leuten. Doch dies schockierte mich dann doch mehr, wie die Kommentare damals in der Hofbühlhalle Neuhausen. Jedoch haben es Jung-Schiedsrichter und solche, die sich durch ihre Anfangsjahre kämpfen wollen, hier sehr große Probleme. Klar ist auch, dass solche Verfahren bei unerfahrenen "Pfeifenmännern" dann zum Erfolg führen kann, was die Brüller und Motzer weiter anstachelt.

Eltern und Vereinsfunktionäre verlieren hier völlig ihre Vorbildsfunktion, nicht nur vor den eigenen Kindern die auf dem Spielfeld ihr Hobby ausüben, nein auch vor den Schwestern und Brüdern, die auf der Tribüne zuschauen, nein auch vor den anderen jugendlichen Zuschauer in der Halle. Wo kommen wir da hin, fragte ich mich? Hören durch dieses schlimmer werdende Verhalten der Eltern zukünftig noch mehr Jungschiedsrichter sofort das pfeifen wieder auf? Warum pfeifen diese ewigen Motzer nicht mal selber, fragte ich mich und versuchte nach dem Spiel mit dem lautesten Papa auf der Tribüne unter 4 Augen ins Gespräch zu kommen. Hier stellte sich sehr schnell heraus, dass dieser nie einen Handball selbst in der Hand gehalten hat, mit der regeltechnischen Seite nichts zu tun hatte und auch sonst nicht besonders einsichtig war, was sein Verhalten betraf. Aber auch der ebenso laut schreiende Funktionär des Vereins, mit Trainerschein ausgestattet, wurde dann sogar noch unverschämt, warum ich nun auf ihn zu gehe, er habe schließlich einen Trainerschein und selber hochklassig gepfiffen. (Gut, dass er mich nicht kannte, aber ich weiß, dass dieser nie über seinen Dorfverein hinausgekommen ist) Weiters ließ er mich wissen, dass Unparteiische generell so schlecht pfeifen würden und somit meist ein Reinrufen legitim und begründet wäre und noch dazu meist zum Erfolg führen würde.

Ich war geschockt von soviel "Einsicht" und negativer Grundhaltung an der Basis.

Liebe Zuschauer, dies muss sich stark ändern! Jeder von uns ist hier aufgefordert, die Motzer in seinen Vereinen gezielt auf ihr Verhalten anzusprechen. Gerade gegen Jungschiedsrichter und Neulingsteams muss hier schleunigst ein anderes Verhalten angestrebt werden. Wenn ich pfeife, dürft ihr schreien, rufen und machen was ihr wollt, doch unser SR-Nachwuchs muss hiervor geschützt werden! Ich werde weiterhin in persönlichen Gesprächen nach dem Spiel versuchen auf eine Einsicht hinzuarbeiten, auch bei mir im eigenen Verein, wo es solche Papas & Mamas natürlich auch gibt - nicht aber solch beschränkte Übungsleiter. In diesem Sinne, "entschränken" wir solche Übungsleiter und beschränken motzende Eltern.                                                                                                                                                                      Alexander Novakovic

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