Ich frage mich manchmal, wo lag der Fehler. War es im Elektro-Fachhandel, als der nette Verkäufer dem unbedarften Mediendeppen zu einem Tablet-PC riet weil der über ein schönes großes Tastenfeld verfügt im Gegensatz zu einem Handy und der Mediendepp sagte, er will erst mal ein Handy, da ihm der Sprung von nix gleich auf Tablet-PC zu groß erschien?
Nein, vermutlich lag der Fehler schon da, als er dem Trainer zusagte, ein paar Presseberichte zu schreiben nach den Spielen. Wohl wissend, dass er nicht zuhause wie vom Trainer vorgeschlagen, auf dessen Anruf wartet und dann einen Bericht erstellt, sondern zu den nahegelegenen Auswärtsorten mitfährt, um sich selbst ein Bild von den Geschehnissen zu machen. Und wenn dem so ist, kann man doch auch gleich die neuen sozialen Medien und deren schnelle Info-Übermittlung in Form eines Livetickers nutzen, um die daheimgebliebenen TSV-Fans baldmöglichst zu verständigen hörte er sich selbst reden.
Und kaum hatte er das böse Wort „Liveticker“ ausgesprochen, merkte der Mediendepp, dass es ein Fehler war. Hab das jetzt wirklich ich gesagt dachte er noch? Verdammt - das Wort hatte den Mund verlassen und konnte nicht mehr eingefangen werden. Seitdem sieht er von den Begegnungen der Ismaninger Herren nur noch Bruchstücke, denn sein Blick klebt magisch auf der Tastatur seines Handys mit den winzigen Tasten. Ich sag nur „Samsung S3 Mini“ - Fehlkauf.
Der beste Teammanager der Liga nutzte das Liveticker-Eigentor gleich aus, um Geld in die Mannschaftskasse zu spülen. Er besorgte Sponsorenpaten für die Aktion. Dass der Manager aber gleich so viel Kundschaft anwirbt, konnte doch niemand ahnen. Oder doch? frag ich mich manchmal. Das hat nämlich den Nebeneffekt, dass der Radius der zu betreuenden Auswärtsspiele auf ca. 2 Stunden Fahrzeit vergrößert wurde. Vor der Abfahrt muss der Liveticker mit Sponsorenlogo auf der Facebookseite angekündigt werden. Apropos Facebook – Gott sei dank waren da seine Kinder fit.
Früher war der Mann kurz vor dem Anpfiff in der Halle – jetzt muss er das eine halbe Stunde vorverlegen, um die Daheimgebliebenen mit den letzten Infos vor dem Spielbeginn zu versorgen. Und eine halbe Stunde ist gleich vorbei, wenn die Minitastatur und das Einfingersuchsystem noch nicht so perfekt miteinander harmonieren. Seitdem mir aber ein 11-jähriger Schlaumeier gezeigt hat, wie man das neumodische Telefon auf „Textvervollständigung“ umstellt, spare ich mir 10 Minuten, muss aber 5 Minuten wieder investieren, wenn mein Handy nach der Eingabe „Rü“ anstatt „Rückraum“ den Namen des Hundeflüsterers „Rütter Martin“ schreibt.
Während der Begegnung kommentierst du kurz den Verlauf im 5 Minuten-Rhythmus. Du schreibst „5. Min. Ismaning führt 3:1“ und bist stolz das auch gerade im Zeitrahmen geschafft zu haben, willst auf die „Posten-Taste“ drücken, da gleichen die Gegner innerhalb von Sekunden aus. Du stellst die Löschtaste auf Dauerfeuer, berechnest voraus, wie die Begegnung verlaufen könnte und schreibst einen neuen Text. Wenn du recht hast, brauchst du nur noch den Spielstand hinzufügen und fertig. Allerdings stellst du fest: du musst dich sputen, denn das neue Update in der 10. Minute ist gleich fällig. In der Schlussphase des Spiels ruft dich dauernd einer an. Der Vibrationsalarm deines Handys ist eingeschaltet. Doch das Telefon klingelt nicht. Da merkst du: Du zitterst nur - daher der Ausdruck "Zitterpartie". Großzügig nimmst du für einen Punkt auch ein Komma in Kauf oder für Buchstaben andere Buchstaben oder für Worte auch ganz andere Worte. Egal – Hauptsache Ismaning gewinnt.
Manchmal musst du nach dem Spiel 10 Minuten warten bis das nervöse Zittern abgeklungen ist. Du erklärst den daheim wartenden TSV-Fans, was in den letzten Spielminuten wirklich passiert ist, weil niemand mehr entziffern konnte, was du geschrieben hast. Ganz schlimm wenn du dir ein anderes Handy ausleihen musst und sozusagen ein technisches Auswärtsspiel hast, weil dein eigenes Telefon keinen Empfang hat. Du schämst dich dafür, dass du mit deinen Rechtschreibfehlern die eigene Tochter diffamierst, weil du in ihrem Namen schreibst. Derweil hatte sie doch in der Schule gute Deutsch-Noten. Und wenn sich einer darüber aufregt, weil du anstatt einem „aus“ das unbekannte Wort „aud“ geschrieben hast dann denkst du nur: Was will er denn, das „d“ liegt doch gleich direkt neben dem „s“. Das ist doch noch im Rahmen. Was für ein....