"Am Ende fehlte einfach die Zeit dafür", sagt Matthias Schwer, der Ende April den Verantwortlichen des Bayerischen Handball Verbandes seinen Abschied mitteilte.
Die Bayernligapartie der Männer zwischen der TG Landshut und der HSC Coburg 2000 war somit das letzte Pflichtspiel der beiden.
Eine Karriere, die es in Bayern bisher so noch nicht gab. 2002 bei einem Jugendspiel in Allach beginnend, steigen die damals 18jährigen 2005 in den Landesverband auf und auch dort läuft es fortan prächtig.
Im ersten BHV Jahr in der Jugend Bayernliga kommen die Ismaninger Unparteiischen gut an und steigen sofort in den B-Kader Bayerns auf. Auch dort gelingt ihnen prompt der Durchmarsch und es warteten ab 2007 Spiele der Männer Bayernliga im A-Kader des BHV. Und jetzt kommt das bisher einzigartige, bayerische Meisterstück, denn auch in ihrer ersten Bayernligasaison, setzen sie sich gegen die Konkurrenz durch und werden als jüngstes Team als Aufsteiger in die Regionalliga gemeldet. Ab 2008 sind Matze und Alex dort aktiv, leiten Spiele vor 2000 Zuschauern und fahren dabei von Konstanz und Grenzach bis zur tschechischen Grenze.
Eine Einladung zu einem Lehrgang der 2.Bundesliga in Halberstadt lehnen die beiden im Januar 2009 aus Zeitgründen ab. Erste Probleme treten auf, das eigentliche Hobby mit dem Rest zu vereinen. Es wird immer schwerer, je mehr die Schiedsrichter in den Beruf einsteigen. Doch den Umschwung im Süddeutschen Handball Verband machen die beiden noch mit. Die Handball Regionalliga heißt nun 3.Bundesliga und der SHV Kader wird zum DHB-C Kader umbenannt. Auch ihren Traum, einmal in einem TV24 Bundesliga-Schiedsrichtertrikot ein Pflichtspiel zu pfeifen, erfüllen sich die Sportler. Beim Spiel des HSV Hamburg gegen einen österreichischen Staatsligisten und bei einem Freundschaftsspiel der HSG Wetzlar geht der Traum unter Beteiligung von Pascal Hens, Igor Vori und Sven Sören Christophersen in Erfüllung. Auch die Spiele am jährlichen Balaton Cup, den Matze und Alex 4 mal besuchen, mit den Teams von Vezsprém, Magdeburg oder Celije bringen ihnen einen Hauch von internationaler Erfahrung. Doch nach dieser Saison war also Schluss, zeitlich bedingt und das letzte Jahr war eher eine Hängepartie, als eine ordentliche Pfeifsaison. Dennoch auch hier Platz 1 in der Schiedsrichterrangliste des BHV als Abschluss.
Ihr größtes Erlebnis? Beim Regionalligaspiel der Männer zwischen der SG Köndringen/Teningen gegen den TV Neuhausen/Erms griff der Mannschaftsverantwortliche der Gastgeber einem konterlaufenden Spieler der Gäste in die Beine, als dieser sehr nah an der Auswechselbank einen Konter laufen wollte. "Die 1500 Zuschauer waren vor Hektik in dieser Szene nicht mehr zu stoppen, das Spiel musste lange unterbrochen werden, es herrschte ein gewisser Ausnahmezustand", betont Schwer. "Doch wir haben die Situation gemeistert, die richtigen Entscheidungen getroffen (Anm. der Redaktion: Es gab 2 Disqualifikationen und einen Ausschluss) und die Zuschauer inklusive dem damaligen Frauen Bundestrainer Armin Emrich von der Platte geschmissen." "Eigentlich ein scheiss Erlebnis, doch das war unsere Feuertaufe", sagt Novakovic. "Super war auch das Männerderby zwischen Neuhausen/Filder und Neuhausen/Erms vor gefühlten 5000 Zuschauern," schwärmt Schwer. "Doch am Allerbesten sind die vielen, sehr guten Kontakte zu den Teams, beispielsweise zu den Mädels nach Großbottwar, der bis heute anhält, berichtet Novakovic.
Jetzt ist also Schluss mit der Pfeiferei. Ein leiser, fast unbemerkter Abschied und ein Ende einer einzigartigen Karriere in Bayern. Noch nie hat es ein so junges Schiedsrichter-Duo so schnell in der 3.Liga geschafft. Ein Ende mit mindestens einem weinenden Auge. "Wer weiß, wo wir heute pfeifen würden, wenn wir damals den Bundesligalehrgang nicht absagen hätten müssen", sagt Novakovic und fügt hinzu:"Unsere Mädels freuen sich darüber. Sie mussten uns doch sehr oft entbehren und gerade zu den Regionalligazeiten haben wir uns öfter gesehen als unsere Freundinnen."
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