Herren 1 - Saisonrückblick (Teil 1)

Von am 09.05.2014 in Allgemein, Archiv

Die erste Bayernligasaison für eine Ismaninger Herrenmannschaft hätte spannender und nervenaufreibender nicht verlaufen können. Wenn man vor dem letzten Spieltag mit fast ausgeglichenem Punktverhältnis und Platz 5 in der Tabelle (bei 14 Teams) noch um den Abstieg kämpfen muss, dann ist das alles andere als normal. Dabei hatte der Aufsteiger zu diesem Zeitpunkt gegen die ersten 9 Vereine der Tabelle mindestens einmal gewonnen. Mit dem 6. Sieg in Folge konnte zum Saisonfinale gegen Coburg II der tolle 5. Tabellenplatz in der Abschlusstabelle verteidigt werden. Mit ausgeglichenem Punktekonto wurde man bester Aufsteiger und hat das Saisonziel, das aufgrund der engen Konstellation in der Bayernligatabelle punktemäßig mehrfach nach oben korrigiert werden musste, erreicht. Dabei hat sich die Mannschaft um Kapitän Markus Mundl trotz zweier Aufstiege in den letzten 3 Jahren von der Bezirksoberliga bis in die Bayernliga wenig verändert und besteht im Kern aus vielen eigenen Talenten. Zudem hatte man mit mehreren Unwegbarkeiten über die gesamte Saison hinweg zu kämpfen.

Berufliche und private Verpflichtungen der Spieler sowie die damit einhergehende, zeitweise geringe Trainingsbeteiligung erschwerten die Aufgabe für Coach Rudi Heiss, die Mannschaft wunschgemäß weiter zu entwickeln. Um so höher ist es ihm und seiner Truppe anzurechnen, dass es trotzdem gelungen ist.

Das Verletzungspech verfolgte die Krautgemeindler von der ersten bis zur letzten Minute. Lediglich 8 TSV-Akteure kamen auf mehr als 20 Einsätze von 26 möglichen. Es musste nie ein Spieler aus dem 18-Mann-Kader für eine Begegnung gestrichen werden, da ständig mindestens 4 Verletzte zu beklagen waren und man sich zum Teil mit Leihgaben aus der "Zweiten" über Wasser hielt, um den Kader zu vervollständigen. Ein fettes "Dankeschön" richten wir in diesem Zusammenhang an Franz Deimel und Basti Imhof. Jörg Feinauer stellte sogar seine Gesundheit auf's Spiel und verstärkte absprachegemäß die 1. Herren, bis er, ohne zu klagen für jüngere Akteure, die sich aus dem Krankenstand zurückmeldeten, wieder Platz machte. Eine ähnlich gute Einstellung zeigte auch Maxi Karsten. Vor der Saison ging er noch freiwillig zurück ins zweite Glied, brachte sein Können aber in der Schlussphase der Meisterschaft noch einmal super ein, als es auf den Außenpositionen personell eng wurde. Nebenbei avancierte er zum besten "Glücksbringer" für das Team. In allen 6 Begegnungen, in denen er mitwirkte, gingen die Isis als Sieger vom Platz.

Insgesamt wurden in der Bayernligasaison 22 Spieler eingesetzt. Nur einer war bei allen 26 Begegnungen dabei: "Mr. Zuverlässig" Benni Krämer. Der Abwehrspezialist, der aufgrund seiner unspektakulären aber effektiven Spielweise bei den Spielberichten häufig zu kurz kommt, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Auch neben dem Platz und im Mannschaftsgefüge  hat er sich zu einem wichtigen Baustein im TSV-Team entwickelt.

Die gefährlichsten Angreifer für den TSV waren Josy Stumpf, Fabian Stoiber, Andi Heilmeier und Markus Mundl. Josy (7.) und Fabi (16.) schafften es sogar unter die Top 20 der Liga-Torschützenliste.

Der Saisonverlauf war geprägt von einem leistungsmäßigen auf und ab mit gewaltigen Ausschlägen nach oben und unten. Gleich zum Saisonauftakt sorgte man für eine Riesenüberraschung, als vor eigenem Publikum die Mitfavoriten aus Waldbüttelbrunn bezwungen werden konnten. Nach weiteren Siegen in Sulzbach-Rosenberg und gegen Bayreuth rieb man sich in
Ismaning verwundert die Augen, als die Mannschaft plötzlich sogar Tabellenführer der Bayernliga war und Trainer Rudi Heiss alle Hände voll zu tun hatte, die aufkeimende Euphorie in die richtigen Bahnen zu lenken. Die folgenden 3 Niederlagen gegen Lohr, Rothenburg und in Unterhaching bestätigten die Befürchtungen des Cheftrainers, der von seinem Saisonziel "Klassenerhalt" nie abgerückt war. Als Mannschaft und Umfeld wieder geerdet waren, folgte vor rund 600 Zuschauern in der Realschulturnhalle das Highlight der Saison. Dem späteren Meister aus Fürstenfeldbruck konnte in letzter Sekunde die einzige Saisonniederlage zugefügt werden. Dann verabschiedete sich das Glück von den Gelb-Schwarzen.

In Landshut unterlag man mit nur einem Tor Unterschied. Beim Heimspiel gegen Schlusslicht Winkelhaid gelang zwar noch einmal ein Sieg aber schon da merkte man, dass die Mannschaft die Langzeitausfälle einiger Leistungsträger immer aufwendiger kompensieren musste und physisch an ihre Grenzen gestoßen war. Um so überraschender verliefen die
ersten 40 Minuten in Ottobeuren. Man führte mit 7 Toren. Dann kam der Einbruch - der Akku war leer. In letzter Sekunde gaben die Isis das Spiel noch aus der Hand, noch dazu gegen einen direkten Konkurrenten um den Nichtabstieg. Das war der Knackpunkt. Von diesem Nackenschlag erholten sich die Heiss-Schützlinge in den letzten 3 Begegnungen der Vorrunde nicht mehr. Der Tiefpunkt folgte im letzten Hinrundenspiel in Coburg, als man nach 20 Minuten bereits aussichtlos 2:14 zurücklag. Mit 10:16 Punkten ging es in die Winterpause. Man hoffte auf die Rückrunde und darauf, dass sich das Lazarett lichten würde.

Zum Rückrundenstart in Waldbüttelbrunn gelang der Heiss-Truppe zwar eine gute Leistung aber die Punkte blieben dennoch in Unterfranken. Die anschließende schwache Heimvorstellung gegen Sulzbach-Rosenberg, das personell auf dem Zahnfleisch nach Ismaning angereist war, war deshalb völlig unplausibel und ließ Böses ahnen. Mittlerweile war die Mannschaft auf den vorletzten Tabellenplatz durchgereicht worden.

In Bayreuth dann der erste Lichtblick. Flo Nortz und Philip Stumpf waren als Stabilisatoren aus dem Krankenstand zurückgekehrt und gaben dem Angriff Schwung. Nach diesem Auswärtssieg keimte Hoffnung auf, doch die folgende Heimniederlage gegen Lohr und der ganz schwache Auftritt in Rothenburg machten alles wieder zunichte. An die folgende nächtliche
Krisensitzung nach dem Rothenburgspiel erinnert sich der Berichterstatter nur noch bruchstückhaft. Dem Alkohol wurde ja schon immer reinigende Wirkung zugeschrieben aber wer im TSV-Lager hätte gedacht, dass er so extremen Einfluss auf die kommenden Wochen haben würde. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Trainer eine Art Vertrauensfrage an den Mannschaftsrat richtete und man beschloss einhellig, gemeinsam den Karren aus dem Dreck zu ziehen, während man in Ottobeuren und Rothenburg den Trainer auswechselte und trotzdem scheiterte.
Diese Ismaninger Art der Aufgabenbewältigung wäre sicherlich nicht gelungen, wenn man damals schon gewusst hätte, dass aus den letzten 8 Begegnungen mindestens 13 Punkte geholt werden müssen, um sicher in der Bayernliga zu bleiben. Außer Gitti Nortz hätte da keiner mehr daran geglaubt. Doch plötzlich lief es, obwohl die Gegner immer häufiger des schnelle Konterspiel der Isis unterbanden. Es  spielte dem TSV in die Karten, dass nun wieder mehr Alternativen im Rückraum zur Verfügung standen und
die Mannschaft viel torgefährlicher aus dem Positionsspiel heraus agierte. Da mit Flo Nortz und Andi Heilmeier zwei völlig unterschiedliche Spielertypen auf der Strippenzieherposition zur Verfügung standen, taten sich die gegnerischen Abwehrreihen schwer, sich darauf einzustellen. Die Trainingsarbeit von Torwarttrainerin Caro Brosig trug Früchte. Keeper Josh Murgg steigerte sich von Spiel zu Spiel. Er war in der Rückrunde einer der besten Torhüter der Liga und insbesondere von den Außenpositionen kaum noch zu überwinden. Die Abwehr stand bombensicher, auch als der Defensivchef Philip Stumpf sich in Haunstetten erneut verletzte. In der Rückrunde war die Abwehr der Gelb-Schwarzen die beste der Liga. Durch viel Laufarbeit gelang es, den Schnitt der Gegentreffer von 29 auf 25 zu senken. Teamchef Rudi Heiss hatte immer die richtige Taktik parat, um die Gegner aus dem Tritt zu bringen. Die Mannschaft ackerte von der ersten bis zur letzten Minute. Sie streifte ihre jugendliche Unbekümmertheit auf dem Platz ab, agierte professioneller, konzentrierter und fokussierter auf die jeweiligen Aufgaben. Unerwartet hohe Siege, auch auswärts, waren die Folge. Nur in Fürstenfeldbruck musste man sich noch einmal  geschlagen geben. Ansonsten hielt die Heiss-Sieben das Spielniveau und den damit verbundenen Unterhaltungswert sehr hoch. Man steigerte sich zu einem Spitzenteam der Bayernliga was mit dem 3. Platz in der Rückrundentabelle und dem 5. Rang im Gesamtergebnis dokumentiert wird. Überglücklich konnten die erreichten Ziele gefeiert werden.

TSV-Teamstatistik




























































































































































































Name Position Einsätze Rangliste Tore/7m Schnitt
Josh Murgg TW 25
Daniel Schappert TW 12
Michi Bähr TW 18
Franz Deimel TW 1
Bastian Imhof TW 1
Josy Stumpf RR 25 7 145/26 5,8
Fabian Stoiber RA 24 16 113/33 4,71
Andi Heilmeier RM/RL 21 46 77/1 3,57
Markus Mundl LA 24 52 73 3,04
Alex Deimel KR 20 66 61 3,05
Flo Nortz RM/RL 13 78 41/10 3,92
Philip Stumpf RR 16 92 39 2,41
Ingemar Pohl RR 23 114 30 1,3
Tomasz Rolka RA 18 121 26 1,44
Maxi Stumpf KR 16 134 22 1,38
Jan Bergstedt RR 6 135 20/3 3,33
Tobi Stoiber LA 13 140 19 1,46
Christoph Kellner RM 17 141 18 1,06
Markus Neubauer LA/RM 14 152 14 1,0
Jörg Feinauer RL 9 177 7 0,78
Benni Krämer RR 26 177 7 0,27
Maxi Karsten LA 6 195 5 0,83

Viele Fußballprofis halten den alten Sepp Herberger-Spruch: "Elf Freunde müsste ihr sein" für nicht mehr zeitgemäß. Da mögen sie recht haben. Ich persönlich setze dann immer drauf: "Aber besser wär's." Was eine intakte Mannschaft zu leisten vermag, hat man bei den Isis insbesondere zu Saisonbeginn und am Ende der Spielzeit gesehen. In diesem Zusammenhang möchte ich insbesondere die Leistungsträger loben. Nicht wegen ihrer sportlichen Erfolge, sondern weil sie sich teamintern nicht für wichtiger genommen haben, als alle anderen Crewmitglieder und dieses Verhalten zu einer tollen mannschaftlichen Geschlossenheit geführt hat.

Dementsprechend sind mir bei einigen Partien die Leistungen von Akteuren quer durch die  Mannschaftshierarchie in Erinnerung geblieben: Waldbüttelbrunn - Tobi + Fabi (Stoiber-Flügelzange), Bayreuth - Jörg (Matchwinner), FFB - Ingemar (Siegwurf), Unterhaching - Maxi S. (super Leistung im ungewohnten rechten Rückraum), Bayreuth - Philip (bester Mann hinten wie vorne) + Muldi (mehrere Treffer nacheinander nach der Pause), Unterhaching - Michi Bähr (leitet mit gehaltenem Siebenmeter die Wende ein) + Flo (erzielt 10 Treffer), Landshut - Josh (hält unglaublich) + Maxi K. (wird reaktiviert und erzielt 2 Tore), Winkelhaid - Markus Neubauer (trotz Schulterverletzung 2 Tore von der rechten!!! Seite), Ottobeuren - Alex (10 Tore), Haunstetten - Daniel (4 gehaltene Siebenmeter innerhalb von 15 min.),  Erlangen - Tomek (spielt sich auf RA mit 4 Toren in den Vordergrund) + Josh (lässt die Außen verzweifeln), Coburg (Andy und Josy nicht zu halten). Sicherlich könnte man die Liste  bei näherem Nachdenken noch erweitern. Manche Akteure waren nur zu lange verletzt, um zu ihrer Bestleistung zu gelangen. Auch diejenigen, die jetzt nicht exemplarisch erwähnt wurden, hatten einen großen Anteil am erreichten Saisonziel. Bewahrt euch diesen Teamgeist, dann ist mir auch für die Zukunft nicht bange.

Teil 2 folgt am kommenden Dienstag
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