„Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“ - Nietzsche
M. Schappert - Nach einer ernüchternden Vorrunde, in der man sich häufig selbst im Weg stand und viele Spiele unnötig verlor hatte man das Saisonziel den Aufstieg zu verhindern schon vorzeitig unter Dach und Fach gebracht. Daher wurde die eigene Unfähigkeit auf einer wilden Weihnachtsfeier ausreichend gefeiert und betrauert (je nach Benebelungszustand) und man schwor sich auf eine gemeinsame Rückrunde ein. Man stand mit dem vorletzten Tabellenplatz am Abgrund, nur der nächste Gegner MTSV Schwabing war schon einen Schritt weiter (aber dazu später mehr). Das Team, zu Saisonbeginn als eine Schar unverschämt gut aussehender und bis zum Haaransatz talentierter Individualisten angetreten, wuchs über die Hinrunde zusammen und alle kommenden Gegner sollten sich darauf gefasst machen, dass so langsam ein Rädchen in’s andere greift, die Automatismen sich verselbständigen und wir sie im Schongang wegputzen werden. Der Verein hat sich nicht lumpen lassen und der Mannschaft einen Fitnesstrainer spendiert, der in den vergangenen zwei Trainingseinheiten schon durch rigoroses Drecksacksein aufgefallen ist. Bleibt abzuwarten, ob der Muskelkater auch noch einmal abklingt - allerdings gilt es weiterhin schonungslos die Problemzonen zu attackieren, im Mai will schließlich die Bikinifigur ausdefiniert sein. Aber ich schweife ab.
Erstes Opfer auf unserer road to glory war der zutiefst sympathische und streng limitierte TSV München-Ost. Maximilian „Charlie“ Königsmann tat Coach Nicolas „Charlie“ Oberdieck den Gefallen und meldete sich 3 Stunden vor Spielbeginn krank - so wurde dem chronisch Wankelmütigen die Entscheidung abgenommen und als 14. Spieler wurde Denis „Charlie" Littmann aus der Jugend hochgezogen, um sein Debüt bei den Aktiven zu feiern (Quatsch). Dem starken Kader war es zu verdanken, dass die Ausfälle von Franky, Jasper, Shorty, Joe Cocker, Benny, Patrik und eben Max nicht weiter in’s Gewicht fielen - man fing dies einfach mit einer gehörigen Portion Nonchalance auf.
Aus einer stabilen Defensive heraus wollte man dem Gegner das eigene Spiel (Handball) aufzwingen. Das klappte „ganz gut“ (Ansichtssache): zumindest waren die Ossis über die ganze Spielzeit nie in Front und beim 2:2 nach wenigen Minuten war das Spiel zum letzten Mal ausgeglichen. Wer sich von den 4,5 mitgereisten Auswärtsfans aber erhofft hatte, einen dreistelligen Kantersieg einzufahren, wurde bitterlich enttäuscht - Erfundener O-Ton Frank „Charlie“ Zeman: „ Fuck, ich bin nicht sauer, nur unheimlich traurig. Darf ich das im Fernsehen sagen? Fuck?“.
Viel mehr als das entnervte aber der Umstand, dass man im ersten Durchgang kaum etwas zum Meckern fand (schöne Scheiße): Ja gut, die 6 Gegentore in Halbzeit eins waren größtenteils Fangfehler, für die Torhüter Daniel „Charlie“ Schappert bereits effektheischend Konsequenzen ankündigte. Und wenn man genau hinsah, konnte man den ein oder anderen verworfenen Siebenmeter dabei erwischen, wie er dem Coach am Arsch vorbeiging. Der mangelnden Chancenauswertung war es dann auch geschuldet, dass man nur mit einem jungfräulichen 6:13 in die Halbzeit ging. Drops gelutscht? Wie man’s nimmt.
Ost jedenfalls schien in der Halbzeitpause den unerhörten Plan gefasst zu haben, uns noch ein bisschen zu ärgern. Der geneigte Zuschauer erinnert sich ungern an das Saisoneröffnungsspiel, als man zehn Minuten vor Schluss noch mit fünf Toren führte, in der 59. Minute das erste Mal hinten lag und dann tatsächlich verlor. Dieses Trauma scheint der Mannschaft noch heute in den Knochen zu stecken - wann immer ein Spiel eng wird und auf der Kippe steht, tut sich eine Blockade im Kopf auf. Nicht so heute: es wurde wenige Momente vor Ultimo zwar mit 19:21 noch einmal recht eng, die Mannschaft entwand sich aber dieses Würgegriffes während die Ossis der Aufholjagd in der zweiten Hälfte Tribut zollen mussten. So trennte man sich schließlich 20:24 - Revanche geglückt.
Was bleibt hängen? Unser Torwart Daniel „Charlie“ Schappert kam auf zwei Torbeteiligungen, ein Assist sehenswert mit der linken Hacke - ich sage champs-élysées! In die Herzen der Mannschaft und Zuschauer warf sich ein erfrischend aufspielender Stefan „Charlie“ Weißenberger - endlich ein Linkshänder, der spielt wie ein Rechtshänder. Daniel „Charlie“ Pfeuffer stieg als Reminiszenz an Ailton wie ein Phönix aus der Asche. Wie er seinen wuchtigen, halslosen Körper geschmeidig die Auslinie herunterrobte, ließ so einigen Mannschaftskameraden die Tränen kommen. Dieser Lehrstunde in Athletik wurde durch eine perfekte Chancenverwertung die Krone aufgesetzt. Nicht zu fassen, wozu dieser Mann wohl im Stande wäre, wenn er wieder in normale Konfektionsgrößen passen würde.
Nächstes Spiel ist gegen den MTSV „Spiel den gleichen Song noch einmal“ Schwabing. Mit eben diesem Lied der Cantina Band aus den Star Wars Filmen in einer Dauerschleife zum Aufwärmen hat man uns im Hinspiel erfolgreich in einen tranceartigen Tiefschlaf versetzt bis uns der Abpfiff des Schiedsrichtergespannes aus unseren Träumen riss und eine deftige Niederlage verkündete. Es gibt im Rückspiel also Einiges gerade zu rücken. In diesem echten Abstiegskracher des Vorletzten gegen den Letzten gilt es die wiedergefundenen Tugenden auf die Platte zu bringen und die schwächlichen Schwabinger schwankend auf die Heimreise zu schicken. Deshalb würden wir uns in der heimischen Realschulhalle sehr über Eure Unterstützung freuen. Leider muss das Kinderschminken und die Kuchentombola in der Halbzeitpause ausfallen - nach einem Ausweichtermin wird aber händeringend gesucht (Ansprechpartner ist hier Robin „Charlie“ Wachter).
Es spielten ganz passabel: D. Schappert, Anschütz (beide Tor), Sallehsari (1), Pfeuffer (5), M. Schappert, Bislimi, Wachter, Brück (1), Leber, Weißenberger (5), Hasselmann (2), Littmann (1), Kellner (3), Herzog (4). Es fehlen zwei Tore im Spielbericht, diese wurden dem Bayrischen Roten Kreuz unentgeltlich zur Verfügung gestellt.