Presseecke: Süddeutsche Zeitung online Damen1 vs. Kissing

Von am 08.03.2012 in Allgemein, Archiv

Schlecht gegessen


 





Rückschlag für Ismanings Handballerinnen im Titelrennen

Ismaning - Claus Lohmann lacht. Das ist seine Antwort auf die Frage nach den Gründen für die unerwartete Niederlage der Ismaninger Handballerinnen in Kissing. Lohmann ist Trainer des Bayernligisten, der trotz eines personellen Umbruchs ein heißer Aufstiegskandidat war - bis zum Wochenende. Bis zu dem überraschenden 25:30 beim Tabellenelften. Es ist ein bitteres Lachen, denn nun hat es Ismaning nicht mehr selbst in der Hand. Drei Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Bergtheim, dort muss Ismaning in drei Wochen spielen. Lohmann sagt: 'Ich schätze, das war"s.'

Solche Niederlagen bei einem vermeintlich klar unterlegenen Gegner lassen sich nie einfach erklären. Auch in diesem Fall. Lohmann glaubt an ein 'Konglomerat an Faktoren'. An erster Stelle stehe der Kopf: 'Vielleicht haben wir wirklich nicht alles gegeben', vermutet Lohmann. Gegen einen Gegner, der unterbewusst unterschätzt wird und über sich hinauswächst. Dann sind da Ismanings routinierte Spielerinnen, die es im Herbst ihrer Karriere nicht mehr mit großer Macht in die dritte Liga zieht. Oder Carina Edlbauer, 16, eines der vielen Top-Talente in der jungen Mannschaft. Sie wurde vor ein paar Tagen in die Jugend-Nationalmannschaft berufen. 'Jeder wollte was von ihr, Interviews, Gratulationen.' Eine riesige Hypothek, glaubt Lohmann. Ein Tor jedenfalls entsprach bei weitem nicht ihrem bisherigen Durchschnitt. Viel sei eben zusammengekommen, in Erinnerung bleibt jedoch nur eins: die Niederlage.

Früh hatte sich abgezeichnet, dass es schwer wird, Kissing führte schnell 5:1. Zur Pause lag der TSV 12:14 hinten, auch im zweiten Durchgang erwischten die Gastgeberinnen den besseren Start, führten mit 17:12. Ismaning aber konterte erneut, glich zum 24:24 aus. 'Ein paar technische Fehler', erinnert sich Lohmann, wurden mit schnellen Kontern bestraft. 1:6 Tore in den letzten Minuten, und Ismaning war geschlagen. Es hatte in den vergangenen Wochen einige Unruhe gegeben im Verein, neben den Frauen stehen auch die Landesliga-Männer aussichtsreich in der Tabelle. 'Es wurde kolportiert, dass wir die dritte Liga finanziell nicht stemmen können', sagt Lohmann, 'das kam aber nie von Vereinsseite.' Und es dürfte sich vorerst erledigt haben, nun könne man ruhig und ohne Druck spielen: 'Wir haben den Aufstieg sowieso nicht geplant', sagt der Coach. In Kauf genommen hätte man ihn natürlich gerne, aber: 'Das ist jetzt gegessen.'

Die Erklärung dafür ist laut Lohmann einfach: 'Wir haben das schwerere Restprogramm. Wir müssen noch nach Bergtheim und nach Gröbenzell.' Das Derby werde ähnlich schwer wie die Partie beim Primus, glaubt Lohmann, denn Gröbenzell sei die 'Mannschaft der Stunde'.

Gegen Garitz hat sich der lokale Konkurrent mit 25:23 den fünften Sieg in Serie erkämpft. Ohne zu glänzen, der zweite Durchgang geriet zu einer holprigen Kraftübung. Der dritte Regionsvertreter Neuaubing rutschte nach der 32:37-Niederlage in Herzogenaurach auf den drittletzten Platz, der Abstand zu den beiden Abstiegsrängen aber bleibt mit sechs Punkten bei fünf ausstehenden Spielen einigermaßen beruhigend. Ralf Tögel

 




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