In der spielfreien "sauren Gurken-Zeit" wollen wir die Zeit nutzen, um den Anhängern des TSV Ismaning die Akteure der Herren 1 näher vorzustellen. Soweit keine wichtigeren Nachrichten vorliegen wird immer am Donnerstag ein Spielerportrait mit Interview auf der Handballer-Homepage eingestellt. Beginnen wollen wir heute mit dem Käpt'n:
Spielerportrait:
Name: Mundl
Vorname: Markus
Spitzname: Muldi und in besonderer Umgebung auch mal Ülde
Alter: 23
Position: LA
bisherige Vereine: DJK Sportbund München Ost, DJK Taufkirchen
beim TSV Ismaning seit: Saison 04 / 05 (C-Jugend)
sportliche Erfolge: diverse Bayer. Beachmeisterschaften
Bayer. Meister mit der C-Jugend
Aufstieg mit den Herren 1 in die Landesliga
Aufstieg mit den Herren 1 in die Bayernliga
Vorbilder: Uwe Gensheimer
5 Fragen an den Käpt’n der Herren I:
- Hallo Markus, du bist selbst erst 23 Jahre aber dennoch schon einige Zeit der Spielführer der Herren 1 des TSV Ismaning. Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen und ist das Team immer so einfach zu führen, von jemanden, der selbst kaum älter ist als die meisten in der Truppe?
Obwohl ich erst 23 Jahre bin zähle ich schon seit knapp 2 Jahren, wenn es bei den Aufwärmspielen vorm Training heißt: Jung gegen Alt nicht mehr zu den Youngstern. Mit meinem Jahrgang wurde vor 4 Jahren im Team der 1. Herrenmannschaft der Generationenwechsel eingeläutet. Als 2010 Rudi Heiss das Traineramt übernommen hat, wurde ich als Bindeglied zwischen den gestandenen Spielern und den jungen Wilden als 2. Spielführer integriert. Mit dem Karriereende von Basti Haeffner, dem damaligen Kapitän, ist mir dann das Amt geblieben.
Auf dem Spielfeld hat bei uns der Mittelmann das Sagen. Egal, ob da ein erfahrener Spieler oder mit Josy Stumpf und Markus Neubauer unsere Häschen stehen. Ich versuche mit einer guten Einstellung – sowohl im Training, als auch im Spiel – voranzugehen und andere mitzureißen.
Wenn es neben dem Spielfeld Aufgaben für uns als Mannschaft gibt, verteile ich diese so fair wie möglich... natürlich immer in Rücksprache mit dem Spielerrat und das wissen die Jungs, deswegen funktioniert das auch so gut!
Mir ist wichtig, dass alle mit eingebunden sind. Zu Beginn der Saison werden die verschiedensten Ämter besetzt, die die Jungs über die Saison ausführen. Vom Trikot- bis zum Harzwart oder dem Getränkeservice bei Spielen ist da für jeden was dabei. So trägt jeder ein Stück Verantwortung für das ganze Team. Das ist sicherlich förderlich für ein gutes Miteinander.
- Was war deiner Meinung nach der ausschlaggebende Punkt für die letztendlich doch ungefährdete Meisterschaft, auch wenn’s lange spannend war. Was war euer Plus gegenüber den anderen Landesligamannschaften?
Der richtungsweisende Schritt zur Meisterschaft war das Rückspiel in Trudering. Wenn man beim punktgleichen Tabellennachbarn auswärts ungefährdet mit 26:18 gewinnt, ist das ein deutliches Zeichen. Wir haben danach die Konzentration hoch gehalten und unsere Spiele gegen vermeintlich leichte Gegner gewonnen. Die direkten Konkurrenten haben in diesen Duellen Punkte liegen lassen. Ob das an mangelnder Einstellung oder verletzungsbedingten Ausfällen von einzelnen Spielern lag, kann ich nicht sagen.
Genau wie viele andere Teams, hatten auch wir über die Saison verteilt viele Ausfälle von Leistungsträgern zu kompensieren. Das ist uns über die gesamte Spielzeit – mit Ausnahme vom Hinrunden-Spiel in Eichenau – super gelungen. Nicht zuletzt sind also unser herausragender Teamgeist und der, von der Qualität in der Breite am besten aufgestellte Kader, von entscheidender Bedeutung gewesen.
- Du bist bekannt als besonnener Spieler, Vorbild in puncto Fairness und hast so manchen Kollegen wieder in die Spur gebracht, wenn die Emotionen mal hochgekocht sind. Doch zum Saisonschluss sind auch bei dir Sicherungen durchgebrannt. Als der Hallensprecher in Niederraunau während der Begegnung bekannt gab, dass ihr aufgestiegen seid, konntest du dich nicht mehr aufs Spiel konzentrieren. Außerdem habe ich gehört, du wolltest dein Trikot an Fans verschenken, bis dich der Trainer darauf aufmerksam gemacht hat, dass du nicht beim FC Barcelona unter Vertrag bist. Das klingt nach überschäumender Freunde bei gleichzeitigem Abfall einer Riesenlast
(..lacht )
Um seine Ziele zu erreichen, auf dem Handballfeld also Spiele zu gewinnen, ist es wichtig einen kühlen Kopf zu bewahren, sich im richtigen Maße von Emotionen leiten zu lassen. Das nehme ich mir zumindest immer vor. Vor dem Spiel in Niederraunau war uns bewusst: nochmal 60 Minuten Gas geben, 2 Punkte holen und die Meisterschaft ist gewonnen. Das hat man natürlich während dem Spiel im Kopf. Die ersten Minuten haben wir auch herausragenden Handball gespielt.
Als dann die Durchsage kam – das Ziel erreicht war – gab es für mich kein halten mehr. In dem Moment brauche ich nicht beim FC Barcelona spielen – in dem Moment habe ich meine eigene Champions League gewonnen.. und mein Trikot bin ich übrigens los geworden, der Hinweis vom Trainer kam da etwas zu spät!
- Bei anderen Vereinen werden in der Bayernliga Gelder für’s Auflaufen bezahlt, beim TSV Ismaning nicht. Was spricht deiner Meinung nach dennoch für den TSV. Etwas muss ja dran sein, wenn kein TSV-Spieler zu einem anderen Verein wechselt, das Team in Gänze zusammenbleibt und punktuell noch ergänzt bzw. verstärkt wird?
Wenn ich so viel Zeit in meiner Freizeit aufwende und dafür finanziell eben keine Entschädigung bekomme, dann wohl nur, weil ich großen Spaß daran habe. Spaß am Handballspielen kann man sicherlich auch anderswo haben. Aber das alleine ist es ja nicht.
Die Stimmung bei uns im Team ist nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch neben dem Platz hervorragend. Und wenn ich hier jetzt von ‚unserem Team‘ spreche, dann meine ich nicht nur die Mannschaft selbst, sondern angefangen vom Trainerstab, der medizinischen Abteilung und bis zum Manager, alle die uns im Umfeld begleiten.
Zudem gibt uns der sportliche Erfolg der letzten Jahre recht und macht Lust auf mehr! Lust auf Handball, das spürt man in Ismaning ganz deutlich, haben nicht nur die Handballer vom TSV. Die Unterstützung in der Halle ist bei den Heimspielen immer grandios. Wenn bei Spitzenspielen über 500 Leute auf den Tribünen sitzen und uns anfeuern, das ist schon was Besonderes.
- Welche Ziele, glaubst du, kann deine Truppe in der nächsten Saison und in den nächsten Jahren noch erreichen?
Ziel fürs nächste Jahr kann nur der Klassenerhalt sein. Für uns wäre das ein großer Erfolg. Wenn man das im 2. Jahr dann wiederholen, sich in der Bayernliga etablieren kann, dann können wir mächtig stolz auf uns sein! Die Mannschaft ist technisch gut genug für den Klassenerhalt. An Erfahrung mangelt es der jungen Truppe sicherlich noch, auch körperlich werden uns die meisten Gegner überlegen sein. Genau aus diesen Gründen hat man uns aber auch vor 2 Jahren den Klassenerhalt in der Landesliga nicht zugetraut. Ich bin also mal vorsichtig optimistisch für die kommenden Jahre!
Falls du selbst noch etwas loswerden willst, was dir auf dem Herzen liegt, hier wäre noch Platz für ein paar Zeilen: Wenn ich - was das Sportliche angeht - vorsichtig optimistisch in die kommenden Jahre blicke, dann sehe ich da auch immer wieder – weniger vorsichtig – eine neue Ballsporthalle in Ismaning. Das wäre natürlich nicht nur schön für uns als 1. Herrenmannschaft, sondern auch für den kompletten TSV Ismaning und demzufolge auch für den ein oder anderen Bürgermeisterkandidaten eine tolle Sache. Spätestens im Winter, wenn wieder viele andere Sportler die Hallen belegen, wird man schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, dass man halt doch nur in einem kleinen Dorfverein spielt und nicht beim FC Barcelona – oder soll ich FC Bayern sagen.. nachdem ich ja vorhin mit dem Champions League Titel verglichen habe ;)
Danke für das Interview Markus, bis demnächst in der Halle