Handballfest in der Isarena: Isar Devils zurück an der Tabellenspitze

Ismaninger Herren-1 gewinnen Topspiel gegen Simbach überraschend deutlich mit 34:27 (18:11). Achter Sieg in Folge führt Isis zurück an die Tabellenspitze. Gut besuchte Isarena wird zu einem gelb-schwarzen Stimmungskessel.

Revanche geglückt. Und wie. Wie startet man nun am besten in die Erzählung eines denkwürdigen Abends: Mit der engen Tabellenkonstellation der Landesligastaffel und der daraus resultierenden Wichtigkeit dieses Spitzenspiels? Mit der knappen 1-Tore-Niederlage der Isis aus dem Hinspiel? Oder mit dem mittäglichen 6:0-Heimsieg der lautstark unterstützenden Fußballer der SC Grüne Heide? Oder doch besser mit der atemberaubenden Stimmung in der Isarena, die durch die zwei Busse und knapp 150 Fans der Simbacher Gäste sowie der Kicker des FC Schwarz-Gelb München vervielfacht wurde? All dies machte unmissverständlich deutlich: Es wird heiß. Die Anspannung auf beiden Seiten war groß. Und doch auch die unbändige Vorfreude der Teams zu spüren. „Wir fiebern alle schon lange auf dieses Duell hin.“, so Trainer Ilg vor dem Spiel, „Meine Jungs sind alle heiß. Es wird endlich Zeit für dieses Topspiel“.

Während die Gäste vom Inn mit einem Kader, der laut eigener Presseabteilung „größtmögliche Qualität beinhaltet“, anreisen konnten, mussten die Hausherren im Vorfeld dieser Partie auf Freigeist Leo Udovicic verzichten, der immer noch an seiner Rückenverletzung laborierte. Der Einsatz von Rückraumshooter Lucas Baierlein war ebenfalls bis kurz vor Spielbeginn noch fraglich. Musste er doch aufgrund einer Erkältung nach intensiven und kräftezehrenden vorangegangen Wochenenden die vergangene Trainingswoche pausieren. Und Samstag Früh erreichte das Trainerteam dann auch noch die Hiobsbotschaft, das Daniel Mannel ebenfalls kurzfristig nicht einsatzbereit war. Doch zeigte sich in den vergangen Spielen deutlich, dass das Ismaninger Team Personalsorgen bestens über das Kollektiv ausgleichen konnte. „Denn die mannschaftliche Geschlossenheit und Breite ist die wahre Stärke dieser Truppe.“, so Trainer Ilg.

So gelang es auch, den schmerzhaften Verlust von Kapitän Florian Elsinger, der aufgrund einer roten Karte in der 4. Spielminute frühzeitig nicht mehr aktiv ins Geschehen eingreifen konnte, ebenfalls zu kompensieren. Während diese Entscheidung die Ismaninger Truppe im Mark traf, musste man den beiden Unparteiischen, Grimm und Richter, eine insgesamt unauffällige und sehr souveräne Leistung attestieren bei einer wie erwartet hart umkämpften Anfangsphase. Beide Teams waren immer in Schlagdistanz, dennoch legte der TSV Simbach zu Beginn je mit einem Treffer zum 3:4 und 4:5 aus Sicht der Hausherren vor. Doch dieser Vorsprung aus der neunten Minute sollte der letzte für die Gäste in diesem Spiel bleiben. Denn Ismaning wurde immer dominanter. Und fand immer besser ins Spiel. Angetrieben durch eine lautstarke Unterstützung der Fans auf den Rängen, denen an dieser Stelle nachträglich von Kapitän Elsinger herzlichen Dank ausgesprochen werden soll, rührte insbesondere die Defensive über lange Phasen Beton an. Sie eroberte Bälle der Gegner und lud ihre erste und zweite Welle konsequent in gut herausgespielten Chancen ab. So drehten sie angeführt vom pfeilschnellen Markus Neubauer schnell das Spiel und konnten auf einen drei Tore Vorsprung (9:6) in der 17. Spielminute davonziehen. Auf diesem Wege wurde vor allem die Defensive immer stärker, während Marcelo Miranda-Jahn ihr verlässlich den Rücken freihielt. „Marcelo ist einer für die großen Spiele. Das hat er heute wie so oft in dieser Saison wieder mal bewiesen.“, sprach Torwarttrainer Häffner seinem erst kürzlich von Corona genesenen Schützling ein Sonderlob aus.

Auch Tom Notz, der etatmäßige erste Siebenmeterschütze der Ismaninger, brachte alle vier Anläufe vom 7-Meter-Strich erfolgreich im gegnerischen Gehäuse unter. Exemplarisch für den sehr konzentrierten Auftritt der Isis. Genau wie Notz konnte sich sein Simbacher Pendant, Lukas Eichinger, ohne Fehlwurf siebenfach in der 7-Meter-Torschützenliste eintragen. Anders als noch im Hinspiel gelang es den Isar Devils jedoch, Eichinger’s Offensivqualitäten weitestgehend zu unterbinden und ihn bei insgesamt nur einem Feldtor zu halten (11 Tore im Hinspiel, davon 6 Feldtore). Ähnlich blas blieb der zweite Unterschiedsspieler der Sportsfreunde vom Inn, Jan Josef. Es dauerte gar bis zur 40. Spielminute, ehe Josef, der aktuell mit 7,8 Toren pro Spiel auf dem zweiten Platz der Torschützenliste rangiert, mit seinem ersten Treffer zum 25:17-Zwischenstand verkürzen konnte.

Zu spät, um die Männer des Trainerteams Ilg/Nortz ernsthaft in Gefahr zu bringen. Denn zu diesem Zeitpunkt konnten sie bereits selbstbewusst aufspielen, wohlwissend frühzeitig deutlich in Front zu liegen. Zwar konnte besagter Josef die verbleibenden 20 Minuten doch noch nutzen, um mit fünf weiteren Toren an seiner persönlichen Statistik zu arbeiten, damit jedoch die Differenz zu den Isar Devils nicht nennenswert verkleinern. Zu aufopferungsvoll, zu leidenschaftlich, zu konzentriert zeigten sich die Isi-Boys an diesem Samstagabend. Hätte man sich angesichts des Hinspiels einen zeitweise neun Tore Isi-Vorsprung im Spitzenspiel der beiden Bayernliga-Aufstiegsaspiranten vor Spielbeginn kaum vorstellen können, konnte man nun sein eigenes Spiel entspannt gestalten und formvollendet zu Ende bringen. Folglich konnte Yannik Teschner, mit neun Toren erfolgreichster Schütze der Ismaninger, 15 Sekunden vor Ende den Schlusstreffer zum 34:27 Heimerfolg markieren und damit den Startschuss für ein Handballfest setzen.

Mit einem kollektiven „Drei, zwei, eins“ wurden die Festlichkeiten eingeleitet und die hemmungslose Freude der Spieler, Betreuer und aller Unterstützer und Fans zum Ausdruck gebracht. Nicht nur beim tierischen Edelfan Hund Nelson hieß es nun „Leinen los“, sondern auch bei den angesichts der aktuellen Tabellensituation frei werden Emotionen der Ismaninger Beteiligten. Denn mit diesem Heimerfolg konnte nicht nur zum ersten Mal die einzigartige Atmosphäre der sehr gut besuchten Isarena mit über 500 Zuschauern genossen, sondern auch die Tür in die Bayernliga weit geöffnet werden. „Uns ist sehr wohl bewusst, dass es noch ein weiter Weg zu gehen ist, trotzdem ist es toll, jetzt alle Trümpfe in den eigenen Händen zu haben.“, so ein sichtlich erleichterter und gleichzeitig mahnender Kapitän Elsinger nach Abpfiff. Denn nun rangiert das Herren-1 Team von Cheftrainer Ilg mit nur drei Minuspunkten an der Spitze der Landesliga Staffel Mitte-Ost, während der engste Konkurrent, der gleichnamige TSV aus Simbach, mit nun sechs Minuspunkten auf dem zweiten Tabellenplatz folgt.

Und obgleich der sehr unterschiedlichen Spielweisen der beiden direkten Kontrahenten ist das erwartete hochspannende Spitzenspiel einer Machtdemonstration der Isar Devils gleichgekommen. So hat sich die mannschaftliche Geschlossenheit der Isis, die erneut durch neun verschiedene Torschützen zementiert wurde, letzten Endes erfolgreich durchgesetzt.

Was bleibt nun? Das nachösterliche Restprogramm bei den Teams aus Altenerding und Sauerlach sowie Lauf und Mainburg. Die Gewissheit, dass die neu erbaute Isarena stimmungstechnisch mindestens der Hölle Süd gleichkommt. Marc Simon’s sonntägliche Grüße von der Tabellenspitze. Und zu guter Letzt die Erkenntnis, dass Gegner bis dato bei Auswärtsfahrten nach Ismaning höchstens zwei Punkte in Flensburg einsammeln konnten.

Miranda-Jahn, Mayr (beide Tor), Teschner (9 Tore), Neubauer (7), Notz (7/4), Zobel (3), Mansare, Nickel, Simon (je 2), Braun, Schwetz (je 1), Baierlein, Elsinger, Lattner