Interview mit Dr. Florian Dreyer

Seit Jahren leitet Dr. Florian Dreyer die medizinische Versorgung vom TSV Ismaning. Seine aktive Handballkarriere hat er bereits beendet, allerdings ist er dem Handball in der Trainerfunktion treu geblieben. In seinem beruflichen Werdegang gibt es aktuell eine kleine Veränderung, welche er uns in einem Interview einmal genauer schildert:

 

TSV Ismaning: Servus Flo, deine Reise bei der Schön Klinik München Harlaching ist nach 15 Jahren zu Ende. Vom Facharzt zum Funktionsoberarzt zum Oberarzt und dann zum Leitenden Oberarzt. Was nimmst du aus dieser Zeit mit?

Dr. Florian Dreyer: Servus, ja, es war eine lange Zeit und auch eine sehr schöne Zeit. Ich habe mich in dieser Zeit weiterentwickeln dürfen und habe nicht nur fachlich, sondern auch menschlich sehr viel gelernt. Neben der fachlichen Ausbildung zum Orthopäden mit dem komplexen und kompletten Schwerpunkt Fuß- und Sprunggelenkchirurgie  durfte ich  parallel als Mannschaftsarzt im Spitzensport Fuß fassen und auch meine Betreuung in meinem Lieblingssport fortsetzen. Gleichzeitig konnte ich aber auch als Führungskraft meine Auffassung von Team und Gemeinsamen Weiterentwickeln weitergeben.

 

TSV Ismaning: Natürlich bist du aber viel zu jung und natürlich viel zu gut um in Rente zu gehen😊. Wie sieht dein weiterer beruflicher Werdegang aus und welche Funktion nimmst du ein?

Dr. Florian Dreyer: Danke für das Kompliment. Gefühlt hätte ich auch jetzt schon genug Ideen, um mich in den Ruhestand zurückzuziehen. Ich könnte mir ebenso gut vorstellen, in Zukunft nur noch für den Handball tätig zu sein – als Mannschaftsarzt, Trainer und / oder Funktionär (lacht).

Aber im Ernst, ich werde ab Mitte Oktober als Chefarzt in der Chirurgischen Klinik München Süd der Artemed Gruppe am Tierpark eine eigene Abteilung für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie aufbauen. In der neuen Klinik finde ich neben den optimalen Voraussetzungen, Patienten nach meinen Vorstellungen und Anforderungen zu beraten und zu behandeln, auch eine große Anzahl von sportverrückten Kollegen, die sich freuen, auch hier nicht nur Spitzensportler zu betreuen, sondern auch den leistungsorientierten Breiten- und Freizeitsportlern eine medizinische und bedarfsgerechte Versorgung  auf höchstem Niveau anzubieten.

Von dieser Einstellung profitieren dann eben nicht nur die Sportler, sondern ALLE Patienten – darauf freue ich mich sehr !

 

TSV Ismaning: Und was bedeutet das genau für die Ismaninger Handballer? Dürfen nur noch Privatpatienten zu dir als Chefarzt?

Dr. Florian Dreyer: Nein, natürlich nicht. (Lacht)

Sowohl der Artemed Klinik, als auch mir ist es ein großes Bedürfnis, allen Patienten und insbesondere den Sportlern eine von der Krankenversicherung unabhängige perfekte medizinische Versorgung anzubieten. Dazu werde ich weiterhin für die Ismaninger in der Funktion als orthopädischer Erstuntersucher und Vermittler meiner medizinischer Kontakte fungieren.

In Abhängigkeit vom Verletzungs- oder Krankheitsmuster erfolgt dann die weitere Betreuung primär über mich oder bei erforderlicher andere Expertise die Weiterleitung an einen entsprechenden Spezialisten aus meinem Netzwerk.

 

TSV Ismaning: Schön zu hören, viel Erfolg! Doch wenn wir von „unseren Ärzten“ sprechen ist auch Dr. Ralf Linke noch mit im Boot? Die Kooperation mit dem Gelenkzentrum wurde vor der Saison ja ebenfalls verlängert. Wie genau läuft eure Zusammenarbeit ab?

Dr. Florian Dreyer: Ralf ist ein sehr wichtiger Bestandteil, das Gelenkzentrum München sehr wichtiger Anlaufpunkt für die Ismaninger. Ohne Ralf Linke würde es uns nicht gelingen, die von mir aufgebaute medizinische Betreuung in dieser Weise und mit diesem großen Vertrauen weiterzuführen.

Gleichzeitig ist Ralf auch jetzt schon mit der Artemed Klinik vernetzt, sodass weniger Überschneidung, sondern eher Erweiterung des medizinischen Spektrums in der Versorgung nicht nur unserer Handballer resultiert.

Die Basis unserer hochqualitativen und medizinischen Kooperation ist starkes gegenseitiges Vertrauen, ein hoher Qualitäts-Anspruch und eine gleiche Einstellung bezüglich dem Umgang mit Patienten, und Sportlern im Allgemeinen.

Auch durch die teilweise gemeinsame Erfahrung im Spitzensport bei der deutschen Nationalmannschaft des Bob- und Schlittenverbandes, der X-Games, den diversen Red Bull - Veranstaltungen oder auch bei der gemeinsamen Betreuung von Einzelsportlern aus dem Hochleistungssport vertreten wir dieselbe Philosophie, was die Kooperation auch in Zukunft deutlich leichter macht.

Gleichzeitig decken wir jetzt in der Artemed Klinik nicht nur orthopädische Fragestellungen, sondern eben auch bauchchirurgische und gefäßspezifische Problematiken ab. Außerdem sind wir dabei, eine Kooperation mit einer großen internistischen Abteilung aufzubauen, und auch bei speziellen Fragestellungen im Bereich des Gesichtes besteht schon jetzt eine Kooperation mit einem hochqualifizierten Mund – Kiefer - Gesichtschirurgen.

Besonders hervorzuheben ist aber die Zusammenarbeit mit Prof. Mack aus der Radiologie des FC Bayern München, der es eben nicht nur den Profi - Fußballern möglich macht, an zeitnahe Termine zu kommen, sondern auch uns sehr wohlwollend mit hoher Expertise und dem besten Gerät zur Verfügung steht. 

Diese Kombination und Zusammensetzung aus medizinischen Beratern aus dem Spitzensport, dieselbe patientenzentrierte Philosophie und eben die oben erwähnte selbe Wellenlänge machen dieses Team außergewöhnlich.

Ralf Linke ist in diesem Team der perfekte medizinische Partner an der organisatorischen Spitze dieses Netzwerks.

Zudem haben wir mit den Physiotherapeuten in unseren ersten Seniorenmannschaften und Kooperationen auch in andere Praxen sowie Athletiktrainer und ähnlicher Erweiterung des Teams eine tolle Grundvoraussetzung geschaffen, um unseren Sportlern auch im mittleren Leistungssegment die Versorgung zu bieten, die sie verdienen!

 

TSV Ismaning: Ihr kennt euch ja schon eine längere Zeit. Unter anderem wart ihr zusammen bei den X - Games und der deutschen Bob- und Skeleton - Nationalmannschaft  tätig. Wie ticken Ralf und Flo eigentlich privat und wie sah eure Handballer Karriere eigentlich aus?

Dr. Florian Dreyer: Als ich aus der A-Jugend kam, haben fast drei Viertel der Mannschaft bei den Herren aufgehört. Ralf Linke hat mich damals wie ein älterer Bruder aufgenommen, und mir die notwendigen Umgangsformen mitgegeben. Zu dieser Zeit waren wir gemeinsam viel unterwegs, und haben auch außerhalb des Handball Trainings einige Einheiten an seiner Hantelbank im Keller geschrubbt. Auch handballerisch hat er mir einiges mitgeben können.

Nur bin ich im Gegensatz zu ihm weniger auf die Linie getreten (grinst). Zu dieser Zeit war Ralf Linke am Anfang seines Studiums, und hat mich mit seiner Faszination für die Medizin und insbesondere die Orthopädie angesteckt.

Nach einer Pause, bedingt durch unsere unterschiedlichen Aufenthaltsorte und beruflichen Engagements, haben wir uns dann vor ca 10 Jahren wieder getroffen, festgestellt, dass wir weiterhin auf derselben privaten wie beruflichen Wellenlänge liegen, und beschlossen, in Zukunft weiter gemeinsam arbeiten zu wollen.

Auch privat sind wir beide Menschen, die viel Wert auf ihre Familie und Freunde legen, und freuen uns, wenn wir uns auch außerhalb des beruflichen Weges sehen.

 

TSV Ismaning: Schon haben wir den Übergang vom beruflichen zum privaten geschafft. Du trainierst die männliche E-Jugend beim TSV Ismaning. Dort spielt unter anderem dein Sohn Emil mit. Beim TSV ist es ja üblich, dass der Vater mal seinen Sohn trainiert. Gibt es da auch mal böse Blicke beim gemeinsamen Abendessen?

Dr. Florian Dreyer: Leider ist es mittlerweile nur noch so, dass ich Emil trainiere, am liebsten würde ich auch meine siebenjährige Tochter Emma bei den Minis trainieren. Aber dazu wird mir auch in Zukunft leider die Zeit fehlen.

Gott sei Dank sind die bösen Blicke, die ich ernte, selten mit dem Handball verbunden, der Handball bringt uns im Gegenteil bei den üblichen Familienstreitigkeiten wieder zusammen. Emil möchte sich weiterhin von mir beraten lassen, wie er es schafft, sowohl Fußball als auch Handball in der Nationalmannschaft zu spielen, und Emma muss sich noch entscheiden, ob das Pferd wichtiger als der Ball sein wird bzw muss.

 

TSV Ismaning: Bei den Herren gibt es Eigengewächse wie Deimel, Stumpf, Neubauer und Teschner, welche alle Jugendmannschaften bei den Isis durchlaufen haben. Mit der B-Jugend kommt der nächste talentierte Jahrgang in den Seniorenbereich. Wie sieht es denn beim Nachwuchs von Morgen (D-Jugend / E-Jugend / Minis) aus.

Dr. Florian Dreyer: Unser Ferien- Trainingscamp im September 2019 hat gezeigt, dass wir bereits viele Talente haben, die sich toll entwickeln.

Gleichzeitig haben wir mal wieder einen Trainer - Stamm, der sich nicht nur wahnsinnig viel Gedanken um das Sportliche macht, sondern eben auch gemeinsam gemeinsame  Werte und Pflichte vermittelt.

Die damit verbundene Übergabe von Jugend zu  Jugend ist aus meiner Sicht sehr vielversprechend und gerade im Kinder-und jüngeren Jugendbereich außergewöhnlich gut. Da können wir uns sicher mit vielen Großen im Deutschen Handball messen und müssen uns nicht verstecken. Das derzeit gelebte Konzept wird uns noch viel Freude bereiten.

 

TSV Ismaning: Ich fasse einmal zusammen. Es gibt den Dr. Florian Dreyer als Chefarzt, es gibt den Familien Florian Dreyer mit Frau und Kindern und es gibt den Handball Florian Dreyer als Trainer. Doch was wäre Ismaning ohne den Beachhandball? In welcher Funktion stehst du hier eigentlich?

Dr. Florian Dreyer: Als der DHB und Alex Novakovic vor einigen Jahren den Beachhandball in Deutschland wieder nach oben gebracht haben, hat mich Alex gefragt, ob ich aufgrund meiner Erfahrung im Leistungssport nicht auch hier beratend tätig sein kann.

Die Kooperation mit dem DHB lief dabei so erfreulich, dass ich mittlerweile für alle Nationalmannschaften im Beachhandball verantwortlich bin. Das freut mich als ehemaligen Handballer natürlich besonders, weil bereits auch die jüngeren Handballer mit 15 genauso wie die alten Recken genau meine Sprache sprechen – „Handballerisch“.

Bei den Mädels und Jungs aus dem Sand fiebere ich noch mehr mit als bei den anderen Sportarten, die ich betreue und die mich natürlich auch mitreißen. 

Der Erfahrungsaustauschmit dem medizinischen Personal des DHB aus der Halle ist natürlich bei jedem weiteren Lernen Gold wert und hilft Ralf und mir weiter, diese Erfahrung auch auf die von uns betreuten Vereine umzulegen.

 

TSV Ismaning: Zum Abschluss: Was wolltest du uns schon immer mal mitteilen?

Dr. Florian Dreyer: Ich bin sehr stolz darauf, weiter ein Teil der Ismaninger Handballer Familie zu sein, und freue mich über die gemeinsame Entwicklung, die mittlerweile vom Kinder- bis zum Seniorenbereich aufgebaut wurde. Momentan zeichnet sich eine breite Masse von hochmotivierten Menschen ab, die gemeinsam bereit ist, hier Großes zu bewegen, das ist außergewöhnlich. Dafür ein großes Dankeschön !

Gleichzeitig freue ich mich, wenn ich meinen kleinen Teil, medizinisch wie konzeptionell, beitragen darf !

 

TSV Ismaning: Lieber Flo, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir für deinen neuen Lebensabschnitt alles Gute. Wir sehen uns in der Halle.