Als Beobachter des derzeitigen Transfermarktes der Regionalliga Süd der Frauen kann einem momentan schnell übel werden. Seit mehreren Jahren waren die Vereine nicht mehr so aktiv, wie dieses Jahr. Doch alles von Anfang an. Das bekannte Problem in Bayern kennen wir alle. Will man eine leistungsstarke Spielerin hierher bewegen, muss man ihr zusätzlich auch noch einen Lebensstandard neu aufbauen. Kontakte zu Universitäten oder Arbeitgeber sind hier unersetzbar und die Ismaninger Verantwortlichen sind gerade erst an der Startlinie hier langfristig etwas aufzubauen. Beim zweiten Regionalligist in Regensburg, bekommt z.B. jetzt die Ex-Ismaningerin Aline Fischer neben ihrem Handball-Kontrakt auch einen Studienplatz geboten. Ganz anders im Stuttgarter Raum. Hier könnte man Spielerwechsel schon fast als Vereins-hopping bezeichnen. Von Möglingen nach Bietigheim, von Bietigheim nach Großbottwar - das sind nur wenige Beispiele wie schnell Spielerinnen dort einen neuen semiprofessionellen Handballverein finden. Sie steigen über den Gartenzaun anstatt links, einfach rechts drüber, schon finden sie ein ähnlich platziertes Nest. Die Schwaben können sich darrüber glücklich schätzen, ist dadurch natürlich auch die Spielerdichte um ein vielfaches höher. Doch mittlerweile birgt dieses Vereins-hopping auch Gefahren, vor wenigen Tagen am Beispiel von Großbottwar/Bietigheim gesehen. Tabea Kraft, eines der größten Torwarttalente aus Ba-Wü, vor 2 Jahren mit dem TV Grossbottwar in der B-Jugend noch Deutscher Meister und Jugendnationalspielerin, wechselte vor Jahresfrist zum TV Nellingen in die 2.Bundesliga. Für ihre Entwicklung sicherlich ein guter Schritt. Am Ende dieser Saison dann wieder der Retourwechsel nach Großbottwar, wo Tabea in den letzten Wochen schon die Vorbereitung mitmachte. Doch urplötzlich verletzte sich Anja Friedrich im Training. Sie laboriert nun mehrere Wochen an einem Knöchelbruch und wird länger ausfallen. Wer ist Anja Friedrich? Der eingefleischte Fan weiß jetzt, das Friedrich bei Bietigheim spielt und nun in der 2.Bundesliga eine der 3 Torhüter des Aufsteigers ist. Das ist die negative Seite des Vereins-hopping, dass eine Spielerin eben auch ganz schnell wieder weg sein kann. Bietigheim wurde nach der Verletzung nochmal am Transfermarkt aktiv und schnappte Großbottwar ihr Nachwuchstalent wieder weg - zumindest solange bis der Knöchelbruch ausgeheilt ist. (Auf diesem Weg natürlich beste Genesungswünsche zur rothaarigen Anja Friedrich, die der ein oder andere Isi-Fan aus den Zeiten als Bissingen in Ismaning ein Auswärtsspiel bestritt, noch kennen müsste) zur kompletten Wechselübersicht aller Vereine der Regionalliga Süd der Frauen Armer Horst! An anderes Absurdum passierte die letzten Wochen in Sachsen. Der Sportclub Riesa wurde Zweiter in der abgelaufenen Regionalligasaion und war damit kein Aufsteiger in die 2.Bundesliga. In Riesa planten die Verantwortlichen zusammen mit Coach und Handball-Weltmeister (1993 als Coach der dt.Damen) Lothar Döring an der neuen Regionalligasaison. Budget etc. alles war auf eine Saison in Liga 3 ausgerichtet. Doch plötzlich die Hiobsbotschaft beim SC Markranstädt. Insolvenz! Die Damen aus Markranstädt bekamen so keine Lizenz für die 2.Liga und ein Platz wurde plötzlich im Bundesligageschäft frei. Bernd Dugall, Vorsitzender der Handball Bundesliga Vereinigung der Frauen, hatte nun ein Problem, dass er damit löste, aus der Regionalliga Süd einfach den zweitplatzierten mit aufsteigen zu lassen. "Für mögliche Entscheidungsspiele blieb keine Zeit, so dass eine sportlich befriedigende und gleichzeitig formal korrekte Lösung auf dem direkten Weg gesucht werden musste. Nach Zustimmung der betroffenen Regionalverbände begrüße ich den SC Riesa in unserem Kreis", erklärte Dugall das Vorgehen. Riesa war wieder zweitklassig. Glückwunsch! Doch der Rattenschwanz ziehte sich weiter und in der Regionalliga fehlte plötzlich mit Riesa wieder eine Mannschaft. Beim besten Absteiger in Neustadt-Sebnitz wurde man schon hellhörig und der SHV Verantwortliche Spieltechnik, Horst Keppler, hatte wenige ruhige Minuten in der eigentlichen Urlaubszeit. Die Möglichkeit bestand, dass Neustadt-Sebnitz nach gestellten Antrag und nach positiver Abstimmung des SHV Präsidenten zusammen mit der technischen Kommission in der Regionalliga verbleiben würde. Doch soweit kam es erst gar nicht, denn mittlerweile war Anfang August und in Sebnitz plante natürlich auch der gesamte Verein für eine Oberligasaison. Etat, Bürgschaft und eine konkurrenzfähige Mannschaft waren nicht mehr zu schultern und so erfolgte die Absage in Richtung des gestressten Horst Kepplers. "Der Platz des SC Riesa in der Regionalliga Süd 2009-2010 der Frauen wird nicht neu besetzt. Die Liga bestreitet den Spielbetrieb mit 13 statt 14 Mannschaften. Sämtliche Paarungen mit Beteiligung des SC Riesa sind aus dem Spielplan zu streichen." Damit wird es an jedem Spieltag eine spielfreie Mannschaft geben und man spart sich zudem die von München doch weite Auswärtsfahrt nach Riesa bzw. nach Neustadt-Sebnitz. Wenn die Frauen Regionalliga Süd weiterhin auch unter der Saison soviel Aufruhr verbreitet, werden wir nette Spiele, Wochen und Monate haben - doch tun mir dann jetzt schon Horst & Co Leid. Armer