
Auswärtsspiel beim Vorletzten der Tabelle. Das klingt nach Pflichttermin mit langer Anreise, bei dem das Ergebnis bereits vorher feststeht. So hätte man den Sonntag aus Ismaninger Sicht einordnen können. Hätte... denn nur eins war wirklich sicher: die lange Anreise nach Altenberg, wo aus dem Zusammenschluss dreier Vereine die JSG Fürther Land entstanden ist.
Spielerisch war die Sache weit weniger selbstverständlich. Die Gastgeber haben zwar erst eine Partie für sich entscheiden können, gegen den Tabellenletzten aus Schleißheim. Aber beim holprigen Saisonauftakt unserer wC hatte es zu Hause in der Hölle Süd ein extrem enges Match gegeben, in dem die Fürtherinnen nur knapp mit 37:36 niedergerungen werden konnten. Es war also gut möglich, dass es auswärts kein Spaziergang werden würde. Nicht zuletzt weil in den Reihen der JSG durch den Zusammenschluss der Vereine drei (!) starke Bayernauswahl-Spielerinnen stehen und die Ismaningerinnen auf Stammkraft Kristin Wimmer krankheitsbedingt verzichten mussten.
Die Befürchtungen erwiesen sich schnell als angebracht. Nach einer auf beiden Seiten nervösen Eröffnung entwickelten die Gastgeber ein sehr solides Spiel. Unsere Mädels jedoch fanden keinen rechten Rhythmus. Zu häufig wurden Angriffe entweder durch Ballverluste vorzeitig beendet oder harmlos vorgetragen und mit ungefährlichen Torwürfen abgeschlossen. Gleichzeitig war die Abwehr vor allem gegen die herausragende Kader-Spielerin Lena Wanzek überfordert, die auf Halblinks immer wieder völlig unbedrängt zum Abschluss kommen konnte.
Nach der ersten Viertelstunde, die noch ausgeglichen verlief, erhöhten die Fürtherinnen den Druck und erarbeiteten sich mit 12:9 einen ersten kleinen Vorsprung, ehe die Ismaningerinnen direkt vor der Pause auf 12:11 verkürzen konnten.
In der Kabine gab es dann ungewöhnlich klare Worte von Trainerin Irene Krecken – die jedoch auch nicht die nötige Wirkung zeigten. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Die drei Bayernkader der JSG spielten unsere schlecht abgestimmte Abwehr ein ums andere Mal aus und zogen auf 19:15 davon.
Offenbar war dieser Rückstand aber der Weckruf: Eine Umstellung der Ismaninger Abwehr auf eine 3:3-Formation stellte die Angreiferinnen vor ernsthafte Probleme. Parallel wurden die eigenen Angriffe schneller und effektiver vorgetragen. Und auch wenn das Spiel unserer Mädels selbst in dieser Phase immer noch weit hinter den zuletzt gezeigten Leistungen zurück blieb, wurde eine extrem wichtige Fähigkeit ausgepackt: der Kampfgeist! Ausgehend von Katharina Krecken und gestützt von den beiden Torfrauen, die von Anfang an gewohnt gut hielten, zeigten immer mehr Spielerinnen einen unbändigen Willen, die Partie doch noch zu drehen.

Der Rückstand schmolz, sogar in Unterzahl, bis vier Minuten vor Schluss dann ein 25:25 auf der Tafel stand. Jetzt gerieten die Gastgeberinnen unter Druck, konnten die Ismaningerinnen nur noch durch Fouls stoppen und mussten die erste Zeitstrafe hinnehmen. Diese Gelegenheit ließen sich unsere Mädels nicht entgehen! Drei Tore in kurzer Folge bei nur zwei Gegentreffern sorgten gut 90 Sekunden vor Spielende für die Führung. Fürth war wieder vollzählig und im Ballbesitz. Im wohl längsten Angriff der Handballgeschichte verhinderte die – endlich – wache und aggressive Abwehr aber mehrfach den erneuten Ausgleich. Beim denkbar knappsten Stand von 27:28 erlöste die Schlusssirene Spielerinnen und Fans: Auswärtssieg!

Unter dem Strich ein ganz wichtiger Sieg. Nicht so sehr wegen der beiden Punkte, sondern vielmehr, weil die Mannschaft sich Mitte der zweiten Halbzeit in einer kritischen Phase befunden hatte und durch eigenen Willen und Kampfgeist das Ruder doch noch einmal herum gerissen hat. Die Fürtherinnen waren keineswegs so schwach, wie die Tabelle suggeriert und hätten die Partie ebenso gewinnen können. Aber es hat weder mit Glück noch mit Zufall zu tun, dass die Entscheidung am Ende zugunsten der Gäste ausfiel: Harte Arbeit und Willenskraft waren das Zünglein an der Waage. Klaus Krecken bringt es auf den Punkt: „Das war heute reine Kopfsache!“
In vierzehn Tagen stehen zwei schwere Spiele an einem Wochenende an. Am Samstag das – vom BHV ungeschickt in die Ferien verlegte – Heimspiel gegen den Tabellennachbarn ESV Regensburg und am Sonntag das Auswärtsspiel gegen den Spitzenreiter 1. FCN. In beiden Partien kann der heute gezeigte Kampfgeist wieder entscheidend werden!
Es spielten: Veronika Mandlmeier, Anna-Lena Spitzweck (beide Tor), Jule Braun (5), Katharina Krecken (5/2),
Nele Rohmert (1), Lucie Ivinac (3/1), Franziska Blask (4), Hannah Hansch (2), Maya Rudolf, Maria Koller (5),
Laura Lemmer
Bericht: Michael Koller
Bilder: Bettina Rudolf